Berliner Post

2016 11 30 - Praktikumsbericht Anna Luise Büttner
Praktikum bei Frau Katharina Landgraf MdB, vom 01.11.2016 bis 30.11.2016 
 
Das politische Geschehen in Sachsen, Deutschland und der Welt hat mich in den letzten Jahren immer mehr interessiert, trotzdem konnte ich mich bisher noch nicht entscheiden, was ich damit einmal anfangen möchte. Also stand nach dem Abitur der Plan, erst einmal ein Jahr lang verschiedene Erfahrungen zu sammeln, die mir im weiteren Verlauf meines Lebens noch behilflich sein könnten. Zunächst habe ich deshalb an einem wirklich guten Jugendaustausch in Tansania (unter anderem zu den Themen Ernährungssicherheit und Landwirtschaft) teilgenommen. Dort kam ich durch Erzählungen einer ehemaligen Praktikantin darauf, über ein Praktikum im Bundestag nachzudenken. Im Nachhinein bin ich wirklich wahnsinnig froh darüber, auch, dass ich letztendlich so gut und unkompliziert genau da hingekommen bin:
 
In der ersten Woche (sitzungsfrei) wurde ich durch die Bundestagsgebäude geführt, konnte ansonsten aber erst einmal in Ruhe das Büro kennenlernen und mich mit meiner Praktikantenaufgabe beschäftigen: Ein Vergleich der Parteiprogramme von AfD und CDU. Eine sehr gute Idee, wie ich finde, da die Inhalte wirklich interessant sind, ich sie ohne diese Aufgabe aber kaum jemals so genau kennengelernt hätte. Zudem konnte ich mit meiner Arbeit Frau Landgraf ein wenig unterstützen, und das ohne zeitraubende Einführung in die Arbeitsabläufe im Büro. Einerseits hat die Möglichkeit des selbstständigen Arbeitens also zur in meinen Augen sehr guten Arbeitsatmosphäre beigetragen (im Büro habe ich mich jedenfalls gleich wohl gefühlt), andererseits hat sie mir auch gezeigt, dass meine vergleichende Methode nicht die effektivste ist, da ich die Aufgabe nicht innerhalb des Monats fertig bearbeiten konnte. 
 
Aber zwischendurch gab es schließlich auch die Sitzungswochen, in denen ich weniger im Büro zu tun hatte, sondern Frau Landgrafs verschiedenste Termine kennenlernen durfte. Dazu gehörten beispielsweise die Arbeitsgruppe für Ernährung und Landwirtschaft sowie die Arbeitnehmergruppe (8.11.), bei denen mir allerdings der inhaltliche Anschluss fehlte. Aufschlussreicher waren da ein Fachgespräch zum Thema Kinderehen in Deutschland im Fraktionssitzungssaal der CDU/CSU (10.11., mit beeindruckendem Vortrag einer Betroffenen) und ein Expertengespräch über die Ernährung von werdenden Müttern und Kleinkindern im Jakob-Kaiser-Haus (23.11.). 
 
Die größten Ereignisse im Parlament waren für mich dann jedoch der Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft (9.11.) sowie die großen Sitzungen im Plenarsaal (hauptsächlich in der Haushaltswoche; 22., 23. u. 24.11.). Anfangs hat es mich überrascht, dass im Ausschuss beispielsweise gegessen wird und dass allgemein viele Abgeordnete oft mit ihren Handys beschäftigt sind, während andere reden. Aber das wird wohl jeder selbst wissen müssen, genauso, wie man schließlich auch zwischendurch die Sitzungen verlässt, um andere Termine wahrzunehmen. Da bin ich tolerant, einfach angesichts der Aufgaben eines Abgeordneten, die mir in diesen Wochen erst bewusst geworden sind. Wobei mir doch auffiel, wie sehr Koalition und Opposition sich unterscheiden und wie sie miteinander umgehen. Einerseits gab es gute Sprüche1, sicherlich überspitzt, aber Missstände der jeweils anderen Fraktionen gut beschreibend, andererseits wurde Rednern z.T. gar nicht zugehört und, so scheint es mir, bereits mit Vorurteilen an die jeweiligen Fraktionen herangegangen. Natürlich kann ich das als Außenstehende nicht gut beurteilen und sicher haben Koalition und Opposition ihre Rollen, aber doch frage ich mich, warum eigentlich ausschließlich für die eigene Fraktion geklatscht wird (immer), während andere Redner teilweise scheinbar von vornherein als solche abgestempelt werden, die nichtsKonstruktives beizutragen haben. Nichtsdestotrotz habe ich natürlich viele gute Reden gehört und es wurde auch aufeinander zugegangen; Kritik, Provokation und reger Meinungsaustausch müssen ja außerdem sein. 
 
1 Drei gute, mir in Erinnerung gebliebene Aussagen aus der Haushaltswoche:
 
Kurt (Bü90/Gr) an Frau Nahles: [...] obwohl man [...] streiten kann, ob die gute Beschäftigungslage jetzt trotz oder wegen Ihrer Politik da ist ... Kahrs (SPD) zur CDU: Im Kern muss man sagen, dass wir Sozialdemokraten ja nicht davon sprechen, dass wir eine schwarze Null haben – davon sitzen zu viele im Parlament, ...
 
Volmering (CDU/CSU) in Richtung Opposition: Der Dramatiker Christian Friedich Hebbel sagte eimal „Es gibt Leute, die nur aus dem Grund in jeder Suppe ein Haar finden, weil sie, wenn sie davor sitzen, so lange den Kopf schütteln, bis eins hinein fällt.“ ... 
 
Neben diesen Erlebnissen konnte ich mir auch außerhalb der Bundestatgsgebäude einen Eindruck des Abgeordnetenalltags verschaffen. So war ich beispielsweise bei der Herbstkonferenz des BmEL (23.11.), die unter der Überschrift „Trendwende Land? - Neuer Blick auf ländliche Regionen“ stattfand. Außerdem habe ich die Landesvertretung Sachsen besucht (22.11.), wo neue Projekte für die Kulturförderung in ländlichen Räumen vorgestellt wurden. Des Weiteren konnte ich Frau Landgraf zu einem Frühstück der EKD begleiten (23.11., interessanter als meinerseits erwartet) und auch die Flur-Weihnachtsfeier mit umliegenden Büros hat nicht gefehlt (24.11.). Mein letzter Tag im Büro wurde dann sogar eingerahmt von einem Frühstück in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft am Morgen und einer sehr interessanten BmEL-Veranstaltung am Abend zur Bedeutung der Landwirtschafts- und Ernährungspolitik in Deutschland und der Welt (30.11.). 
 
Beeindruckend war auf jeden Fall auch mein Besuch bei „maybrit illner“ im ZDF-Studio zum Thema „Der Trump-Effekt – Siegeszug der Populisten?“ (17.11.); eine Woche nach der Wahl des US-amerikanischen Präsidenten natürlich immer noch ganz oben in den polarisierenden Schlagzeilen. Entsprechend ließen sich die verschiedenen Meinungen am Tisch nicht auf einen Nenner bringen, auch wenn keiner dort dumm war. Die Wahlen und die Reaktionen in der Gesellschaft verdeutlichen, was für eine Rolle die Politik auch im Alltag spielt, mit welchen Erwartungen sie sich täglich konfrontiert sehen muss. Und ich war tatsächlich mittendrin (Obama kam mir zwar leider nicht zu Gesicht, aber immerhin bin ich der Kanzlerin über den Weg gelaufen – auch mal was). Worüber ich da in diesen Tagen manchmal nachgedacht habe, ist, ob man als Abgeordneter nicht verzweifelt, wenn man es nie allen recht machen kann, schon allein die Terminlage versagt es doch. Und gerade zur Zeit scheint es fast unmöglich, überhaupt jemanden optimistisch zu stimmen, da aus allen Richtungen so viel Kritik kommt. Frau Landgraf hat mir gesagt, dass man sich damit abfinden muss und lieber einige wenige Themenbereiche sucht, in denen man sich wirklich einsetzen kann und dass man sich dann auch über die kleineren Erfolge und Bemühungen freut, was wahrscheinlich einfach stimmt. So geht es sicher auch den Oppositionsfraktionen im Bundestag, denn es scheint mir, sie stehen mit ihren wenigen Stimmen häufig bereits vor vollendeten Tatsachen, was ihnen nicht gefallen dürfte, aber das ist wohl ihr Los. 
 
Immerhin war außerhalb des Bundestags ein Abschalten immer gut möglich, schon allein durch die Fahrradfahrt in die Prenzlauer Allee, wo ich in einer Wohnung von Bekannten ein eigenes Zimmer hatte. An den Wochenenden konnte ich viel unternehmen, durch die gute Lage meist mit Rad: Einerseits gab es da die typischen Sehenswürdigkeiten, die man einfach besucht haben muss, andererseits hatte ich Zeit, viele interessante Orte zu besuchen, die im Zusammenhang mit der Berliner Geschichte stehen, wie zum Beispiel Tränenpalast, Stasi-Museum, Mauergedenkstätte oder die Ausstellung des Bundestags im Deutschen Dom. Zeit war auch für Treffen mit Berliner Bekannten und meiner Familie, für die Arabischen Filmtage in der Alten Kulturbrauerei und für das umliegende Viertel mit schönen Cafés und kleinen Läden. 
 
Letztendlich kann ich nicht sicher sagen, dass ich mir eine spätere Arbeit wie die im Bundestag durch das Praktikum nun umso mehr vorstellen kann, aber vielleicht muss ich das Ganze auch einfach erst einmal setzen lassen, in jeder Hinsicht war es schießlich eine gute und wertvolle Erfahrung; vielen Dank dafür! Jetzt werde ich erst einmal nach Frankreich gehen, nächstes Jahr im Idealfall sogar dort studieren. Wenn das nicht klappt, wer weiß, wohin es mich dann verschlägt, aber ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, in Zukunft die eine oder andere Möglichkeit nutzen, um mal wieder mit Frau Landgraf und dem Team im Büro in Kontakt zu kommen.
 
Anna Luise