Reden

Rede zum Entwurf eines Gesetzes über das Schulprogramm für Obst, Gemüse und Milch am 22. September 2016
Als ich am 20. Februar 2014 hier schon einmal über die Vorhaben und Ankündigungen aus Brüssel berichtet habe, konnten wir es als gute Nachricht verbuchen, dass die Länder mehr Geld für das Schulobstprogramm erhalten sollten und selber weniger dafür zahlen mussten. Damals wurde der Kofinanzierungsanteil der Länder von 50 Prozent auf 25 Prozent gesenkt. Jetzt entfällt er sogar ganz! 
 
Damals verkündete Brüssel auch erstmals, dass die Obst- und Schulmilchprogramme zusammengeführt werden sollen. Und siehe da: heute schaffen wir mit der Umsetzung der EU-Verordnung die nationale Grundlage für die Zusammenlegung der bisher getrennten Programme für Schulobst und -gemüse und Schulmilch. Mit der heutigen Verabschiedung des Gesetzes zur Durchführung unionsrechtlicher Vorschriften über das Schulprogramm für Obst, Gemüse und Milch lösen wir das Schulobstgesetz und die Schulmilch-Durchführungsverordnung ab. Mit dieser Vereinfachung und dem gleichzeitigen Wegfall des Eigenanteils der Länder bietet sich die Chance, dass Kinder in allen Bundesländern von beiden Programmen profitieren. Die Realisierung des Programms wird dadurch vereinfacht und es wird eine Basis für eine einheitliche Verteilung des zur Verfügung stehenden Budgets geschaffen. 
 
Eben dieses Budget wird zudem erhöht. Das EU-Parlament verabschiedete im Frühjahr dieses Jahres nicht nur die Zusammenlegung der Programme, sondern entschied auch, dass die Finanzmittel um 20 Millionen Euro erhöht werden. Die Mitgliedstaaten, die am Schulprogramm teilnehmen, verpflichten sich auch zu pädagogischen Maßnahmen. So sollen die Kinder über gesunde Ernährung aufgeklärt werden, sowie über lokale Nahrungsmittelketten, ökologischen Landbau, nachhaltige Erzeugung oder die Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung. Kindern soll auch die Landwirtschaft wieder näher gebracht werden, beispielsweise durch Besuche von Bauernhöfen. 
 
Ich halte es weiterhin für durchweg begrüßenswert, dass sich die Europäische Union für die gesunde Ernährung der jungen Generation einsetzt. Die nationale Politik muss zudem alles dafür tun, um die Rahmenbedingungen zu schaffen, Anreize zu setzen und Ideen mit einem aus EU-Mitteln finanzierten Programm zu begleiten. 
 
Es gibt aber auch Grenzen hinsichtlich des Handlungsspielraums der EU und auch der Berliner Politik. Die Begeisterung für die tägliche Portion Obst und Gemüse muss vor Ort geweckt werden. Auf den Ge­schmack kommen Mädchen und Jungen im wahrsten Sinne des Wortes, indem ihnen in ihren frühen Jahren das entsprechende Angebot durch die sie betreuenden Erwachsenen und Pädagogen gemacht wird.

 
Bestimmte Entscheidungen können nicht von der Politik aus der Ferne getroffen werden. So sollte bei der praktischen Umsetzung darauf ge­achtet werden, dass vor allem Obst und Gemüse in die Schulen kommt, welches regional bezogen wird. Das ist eine Gestaltungsmöglichkeit der Träger vor Ort, die sich diese verantwortungsvoll annehmen sollten und dies auch tun. An dieser Stelle wünsche ich mir, dass die Schulen ein solches Angebot nicht als ein von oben verordnetes Übel ansehen, das nur mehr Arbeit macht. Das Pro­gramm sollte Bestandteil des gesamten Schulbetriebs und des Unterrichtsprogramms sein. Kurzum: Es sollte zum ganz normalen Alltag in den Schulen und Einrich­tungen gehören. 
 
Aber auch Schulen haben nur begrenzt die Möglichkeit, ihre Schützlinge mit gesunden Lebensmitteln in Kontakt zu bringen. Das tatsächliche Leben mit Obst und Gemüse findet vor allen in den Familien und nur sukzessiv in den Kindertagesstätten und Bildungseinrichtungen statt. Dass es da läuft, hängt einzig und allein vom Bewusstsein der Familie ab. Der Idealfall wäre, wenn Va­ter und Mutter selbst mit dem Thema gesunde Ernährung und vor allem mit viel Obst und Gemüse aufgewachsen sind. Die eigene Erfahrung, die man in seiner persönlichen Entwicklung, in seiner Umgebung, in seiner Familie ge­macht hat, ist die beste Wissens- und Handlungsgrund­lage. Ist das nicht gegeben, so braucht man eine entspre­chende pädagogische Begleitung. An dieser Stelle greift dann das Obst- und Gemüseprogramm in den Kitas und Schu­len wieder und ist allein schon aus diesen Gründen nur zu begrüßen. 
 
Eine gesunde Ernährung und Bewegung sind die Grundlagen für ein gesundes Aufwachsen. Dabei ist das Wissen über gesunde Ernährung der zentrale Bestandteil. Dieser wird wesentlich im Kindesalter erlernt und gebildet. Die hier erworbenen Ernährungsmuster behalten Kinder und Jugendliche oft ein Leben lang. 
 
Die Evaluationen des Schulmilch- und des Schulobstprogramms haben eine deutliche Zunahme der Beliebtheit und Akzeptanz von Milch, Obst und Gemüse ergeben. Zudem stieg das Bewusstsein der Kinder um die Wichtigkeit von Milch, Obst und Gemüse als Bestandteil einer gesunden Ernährung. Daher appelliere ich an alle Bundesländer, die sich bisher noch nicht an den Programmen beteiligt haben, dies zum Wohle der Kinder schnell nachzuholen und freue mich, über die Unterstützung zur Umsetzung dieser Ziele aus Brüssel.
 
Hinweis: Die Rede wurde am 22.09.2016 zu Protokoll gegeben.