Reden

Rede zum Antrag der Koalitionsfraktionen "Gesunde Ernährung stärken - Lebensmittel wertschätzen" vom 11. Juni 2015
Grundsätzliche und umfangreiche Erläuterungen zum Thema gesunde Ernährung will ich mir oder uns uns hier sparen! Wir haben in diesem hohen Hause schon mehr als genug darüber diskutiert und auch gestritten. Wir beschließen heute über den Antrag der Koalitionsfraktionen, dem durchaus alle Abgeordneten zustimmen könnten. Denn wir alle wollen, jeder in seiner Weise und aus seinem Blickwinkel, dass die gesunde Ernährung und die Wertschätzung der Lebensmittel stärker beachtet werden. Nur der Weg dorthin wird unterschiedlich interpretiert und dementsprechend grundverschieden gestaltet.
 
Meine Damen und Herren, wir als Union wollen das Ziel ganz gewiss nicht auf einer Woge neuer Paragraphen und Verbote erreichen.
 
Verbote sind nicht hilfreich – weder für Produzenten noch für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Verbote provozieren nur die Kreativität, diese zu umgehen.
 
Ernährung ist für jeden einzelnen Menschen eine Existenzfrage. Es ist seine persönliche Angelegenheit, die er mit seinem eigenen Verstand erfassen und bewältigen muss.
 
Auch in der Genussfrage ist es gut, wenn man weiß, wie viel man sich gönnen kann um auch ohne Reue mal etwas Süßes zu genießen!
 
Jeder Einzelne muss motiviert sein, frei zu entscheiden, für sich und seinen Körper das Beste zu tun. Das ist eine Sache des Bewusstsein und des Wissens. Hier liegt der entscheidende Handlungsansatz für die Politik.
 
Wir wollen, dass die Bürger die freie Entscheidung für eine gesunde Lebensweise treffen. Wir brauchen dazu in unserem Lande eine Atmosphäre und gesellschaftliche Leitbilder für eine bewusste Lebensführung.   
 
Der Zusammenhang zwischen falscher Ernährung und der Entstehung ernährungsbedingter Krankheiten muss jedem klar sein. In der Öffentlichkeit und besonders an den Stammtischen in unserem Land. Diese Kausalität kann in einer großen Vielfalt und allgemeinverständlich dargestellt werden – in den Massenmedien, in der Bildung und Erziehung. Meinetwegen auch gebetsmühlenartig. Dahinter steht nicht nur ein zutiefst humanitäres Anliegen.
 
Es geht dabei auch um klare, berechenbare Fakten: Das sind die Kosten, die durch ernährungsbedingte Krankheiten entstehen. Und diese Kosten sind ein Problem und ein Thema für die gesamte Solidargemeinschaft. Da kann sich niemand wegducken und nichts davon wissen wollen. Da sprechen wir alle an: Die Unternehmen der Ernährungswirtschaft insgesamt und jeden Einzelnen, der für sich und für andere Verantwortung trägt. Den Krankenkassen wie auch dem gesamten medizinischen und gesundheitlichen Bereich spreche ich da ohnehin und ganz bestimmt aus der Seele.     
 
Als Landwirtschaftspolitikerin werbe ich um eine nachhaltigere und effizientere Partnerschaft mit der Gesundheitspolitik. Vielfältige Kooperationen gibt es da schon. Zum Beispiel bei der Umsetzung der Nationalen IN-FORM-Strategie, die in Arbeitsteilung zwischen dem BMEL und dem BMG realisiert wird. Das läuft derzeit in Projekten und Projektphasen. Hier brauchen wir aber eine Verstetigung, die wir möglicherweise mit einer entsprechenden Umsetzung des neuen Präventionsgesetzes erreichen können. Wir brauchen eine permanente Finanzierung der notwendigen und generationsübergreifenden Aufklärungs- und Bildungsarbeit. Das erwarten alle Partner, die hier aktiv sind. Deren Zahl ist groß. Eine wichtige Rolle sollte aus meiner Sicht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung spielen – beispielsweise in Partnerschaft mit der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Und: Wir sollten bereits jetzt überlegen, in welcher Weise die seit 2008 laufende Nationale Strategie zur gesunden Ernährung nach 2017 zu einem gesamtgesellschaftlich getragenen Prozess gestaltet werden kann.
 
Wir haben mit diesem Antrag unseren Kompass, der den Weg zum Ziel klar aufzeigt. Wir fangen nicht bei „Null“ an. Und wir haben in den Ministerien weitgeöffnete Tore für unsere gemeinsamen Anliegen: Die gesunde Ernährung zu stärken und die Lebensmittel besser wertzuschätzen. Bei der Wertschätzung der Lebensmittel sind wir schon lange auf einem guten Weg z.B. mit der Aktion „Zu gut für die Tonne“ – übrigens die meistgenutzte App der Bundesregierung!
 
Also stimmen Sie alle, verehrte Kolleginnen und Kollegen, dem Antrag der Koalitionsfraktionen zu!
 
Vielen Dank!