Reden

Katharina Landgraf: "Zum Abbau der Lohnunterschiede sind alle gefordert, nicht nur wir in der Politik."
Frauen werden schlechter bezahlt und seltener befördert als Männer. Das ist eine Tatsache, die leider nicht zu leugnen ist. Frauen erhalten auch seltener Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder Gewinnbeteiligungen.
 
Das zeigt die neueste Auswertung der Hans Böckler Stiftung.
 
Bei den Frauen spielt auch der Freizeitausgleich für Überstunden eine deutlich größere Rolle, sicher familienbedingt. Eine Barauszahlung erhalten eher die Männer. Die Ergebnisse der Umfrage lassen vermuten, dass weibliche Beschäftigte auch in naher Zukunft den Lohnabstand kaum aufholen werden. 31 Prozent der Männer, aber nur 21 Prozent der Frauen gaben an, dass sie in ihrem gegenwärtigen Betrieb schon einmal befördert worden sind. 
 
Lassen Sie mich kurz noch einmal die Gründe für dieses Dilemma erläutern.
 
Es bestehen vor allem drei Ursachen für die Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern:
 
  • Frauen fehlen in bestimmten Berufen, Branchen und auf den höheren Stufen der Karriereleiter
  • Frauen haben häufigere und längere familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und -reduzierungen als Männer
  • "typische Frauentätigkeiten" werden trotz individueller und kollektiver Lohnverhandlungen immer noch schlechter bewertet und bezahlt
 
in einigen Fällen werden Frauen aber auch schlechter bezahlt, weil sie einfach Frauen sind. Ein Teil des Lohnunterschiedes lässt sich nicht durch die eben genannten Ursachen erklären, sondern einfach nur durch Diskriminierung. Beispielsweise werden Frauen im Hinblick auf eine potenzielle Schwangerschaft oft schon zu geringeren Einstiegsgehältern angestellt. Dies ist ein unhaltbarer Zustand - nicht nur ungerecht, sondern auch aus wirtschaftspolitischer Sicht.
 
Wir versuchen - zusammen mit Akteuren in der Wirtschaft - die Ursachen der Entgeltungleichheit mit konkreten Maßnahmen zu bekämpfen. Durch bessere Rahmenbedingungen wollen wir die Karrierechancen von Frauen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern.
 
Hier einige Beispiele:
 
  • die Initiative für familienbewusste Arbeitszeiten,
  • das Programm „Perspektive Wiedereinstieg“,
  • den Girls-Day,
  • die MINT-Initiativen,
  • den stetigen Ausbau der Kinderbetreuung und
  • die Partnermonate beim Elterngeld
 
Wir müssen über die Konsequenzen von Berufswahlverhalten der Mädchen informieren und helfen, Erwerbsunterbrechungen zu vermindern.
 
Weil Frauen besonders häufig für Dumpinglöhne arbeiten müssen, ist die Forderung eines Mindestlohns als Lohnuntergrenze in diesem Zusammenhang ein wichtiges Thema. Da sind wir seit unserer letzten Debatte im März zum Equal Pay Day ein gutes Stück vorangekommen. Ende April hat die Unionsfraktion ein Konzept für die Einführung einer Lohnuntergrenze vorgestellt. Das Eckpunktepapier sieht vor, eine tarifoffene, allgemeine Lohnuntergrenze einzuführen. Über deren Höhe entscheidet nicht der Staat, sondern die Tarifpartner. Somit bleibt die Tarifautonomie gewahrt.
 
Die Kanzlerin wird das Thema in den Koalitionsausschuss einbringen und ich bin zuversichtlich, dass wir uns noch in dieser Legislaturperiode einigen. Das wird ein guter Schritt sein auf dem Weg zu einer gerechteren Entlohnung für Frauen. 
 
Ein weiteres Problem ist der schon erwähnte geringe Anteil von Frauen in höheren Leitungsebenen. Frauen liegen derzeit bei der Besetzung von gut dotierten Führungspositionen in der Wirtschaft weit zurück. Es ist zwar zu begrüßen, dass die 30 DAX-Unternehmen den Frauenanteil in Spitzenpositionen erhöhen wollen.Die Wirklichkeit sieht anders aus. Um tatsächliche Erfolge verzeichnen zu können, ist ein Gesetz mit verbindlichen und messbaren Vorgaben nötig. Die entsprechenden Diskussionen und Beratungen dazu laufen derzeit. 
 
Zum Abbau der Lohnunterschiede sind alle gefordert, nicht nur wir in der Politik. Vor allem Arbeitgeber müssen dazu beitragen – und zwar rasch- , damit nicht wieder etliche Jahre ins Land ziehen in denen nichts passiert!
 
Ein wichtiger Helfer für die Unternehmen ist dabei das Analyseprogramm „Logib-D“.
 
Damit kann die Höhe des durchschnittlichen Unterschieds der Monatsgehälter von Frauen und Männern ermittelt werden. Außerdem können auch die Ursachen dieses Unterschieds offengelegt werden.Das gibt den Unternehmen die Möglichkeit Veränderungen vorzunehmen. Die Teilnahme ist freiwillig und kostenlos.
 
Daher appelliere ich nochmals daran, dasssich möglichst alle Unternehmen zur Selbstkontrolle daran beteiligen.
 
Im Rahmen der Gesamtstrategie müssen wir die Frauen auch stark und selbstbewusst machen, damit sie die Lohnverhandlungen für sich nutzen können.
 
Hilfestellungen und Programme aus dem Familienministerium gibt es dafür genug!
 
Männer haben weniger Probleme damit, sich gut zu präsentieren und eine angemessene Vergütung zu fordern.
 
Das sollte auch im Interesse der Arbeitgeber liegen, denn wie wir alle wissen, benötigt die Wirtschaft dringend die gut ausgebildeten Frauen. Besonders auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels können und dürfen wir auf die qualifizierten und hochmotivierten Frauen nicht verzichten. Und weil diese auch entsprechend entlohnt werden müssen, brauchen wir endlich gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit! Das ist nicht nur im Sinne der Gleichberechtigung, es ist auch im Interesse der Wirtschaft.
 
Ein Unternehmer aus meinem Wahlkreis handhabt das schon lange so.
 
Bei ihm wird ausschließlich nach Leistung bezahlt und unter den 9 Führungskräften in seinem Betrieb sind 5 Frauen. Das hat er ganz freiwillig und ohne den Druck eines Gesetzes entschieden. Es ist für ihn selbstverständlich und trägt zum Erfolg seines Unternehmens bei.
 
Ich teile daher zwar das Anliegen der SPD-Fraktion, aber nicht den Lösungsansatz des vorliegenden Gesetzentwurfes. Der Einsatz von sachverständigen Personen, die aufklären und bestehende Entgeltsysteme in den Betrieben prüfen sollen führt zu einem bürokratischen Monster. Und im Streitfall haben dann trotzdem wieder die Gerichte zu entscheiden. Damit haben wir nichts gewonnen und nur eine weitere Instanz dazwischengeschaltet.
 
Der bessere Weg ist die kreative Einsicht, prinzipiell alle leistungsbezogen zu bezahlen. Das ist der beste Weg für die gewünschte Entgeltgleichheit. Daher rate ich von einem solchen Gesetz wie es die SPD-Fraktion hier vorgelegt hat, ab. 
 
(Aus der Rede von Katharina Landgraf zur 1. Lesung des SPD-Gesetzentwurfes zum Entgeltgleichheitsgesetz am 14.06.2012)