Reden

Eröffnungsrede Via Regia Sculptura
Statement zur Eröffnung der Preisverleihung Via Regia Sculptura am 8. Dezember 2010 in der Alten Nikolaischule zu Leipzig 
 
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste der Preisverleihung und liebe – noch unbekannte - Preisträger! 
 
„800 Jahre Bewegung und Begegnung" – das ist das Motto der 3. Sächsischen Landesausstellung, die vom Mai bis Oktober 2011 in der Stadt Görlitz stattfinden wird. 
 
Im Mittelpunk dieser Exposition steht die Via Regia als Sinnbild der Europäischen Einigung. Acht Jahrhunderte liegen zwischen der Ersterwähnung der via regia als „strata regia" oder „Hohe Straße" im Jahr 1252 und dem Ausblick in Gegenwart und Zukunft im 21. Jahrhundert. Die Menschen in Görlitz können stolz sein, dass sie aus der geografischen Randlage als östlichste Stadt des heutigen Deutschlands und des Freistaates Sachsen nunmehr in eine europäische Dimension kommen. Görlitz ist so ein wichtiger Brückenpfeiler/ eine bedeutende Station der Via Regia. 
 
Es mag wohl ein Zufall sein, dass die 3. Sächsische Landesausstellung zu diesem Thema zu einem außerordentlich wichtigen europapolitischen Zeitpunkt gestartet wird. 
 
Im Frühjahr 2011 fallen die inneren Schranken der EU für die arbeitenden Menschen aus den Ländern Zentraleuropas. Die Via Regia, die unser Sachsen durchzieht, erfährt dadurch im 21. Jahrhundert eine bemerkenswerte Renaissance. Wir schlagen im kommenden Jahr ein neues Kapitel in der „Geschichte von Bewegung und Begegnung" an der Via Regia auf. Die wirtschaftspolitischen Auswirkungen und die Entwicklungen auf unserem Arbeitsmarkt werden uns alle ab diesem Zeitpunkt intensiv beschäftigen. Doch das soll hier und heute nicht mein Thema sein. 
 
Sehr geehrte Damen und Herren, 
 
Görlitz wird durch die 3. Landesausstellung zweifelsohne eine große Aufmerksamkeit erfahren. 
 
Dennoch möchte ich heute die Gelegenheit nutzen, um auch auf die Rolle Leipzigs an der Königsstraße hinzuweisen. Leipzig ist d e r Kreuzungspunkt der bedeutendsten Wege der europäischen Geschichte. Hier treffen die Via Regia und die Via Imperii aufeinander. Die eine als Ost-West-Verbindung, die andere, die Kaiserstraße, von Nord nach Süd. Etwas mehr als ein Steinwurf von der Alten Nikolaischule entfernt erinnert heute noch eine Straße an die damalige Kaiserstraße, via imperii: die Reichsstraße. 
 
Die geografische Lage im Herzen des Kontinents gab der Stadt Leipzig eine besondere europäische Dimension. Die Leipziger Messe ist da nur e i n e Reflektion. 
 
Die Stellung Leipzigs in Europa wäre durchaus auch ein Thema für eine Sächsische Landesausstellung. Aber selbstverständlich gönnen wir von ganzem Herzen der Stadt Görlitz diesen Vorzug. Und mit unserer heutigen Veranstaltung machen wir hier in der Messestadt gern auch Werbung für die Exposition des Freistaates und für die schmucke Stadt in Niederschlesien.
 
Die Ausstellung wird einen sehr interessanten Einblick in das Leben an und auf der alten Handelsstraße bieten. 
 
Für uns Europäer sind Geschichten von Distanzen und deren Überwindung, von den Menschen, die im Laufe der Jahrhunderte auf ihr gereist, gepilgert und geflohen sind, durchaus spannend.
 
Bereits ein Blick auf die aktuelle Internetseite der 3. Landesausstellung klingt vielversprechend:
 
„Die Ausstellung möchte Einheimischen, Gästen und Touristen aus ganz Europa das historische Erbe und das Besondere dieser Region vermitteln. Mit Blick auf die Geschichte sollen auch Perspektiven für die Zukunft entwickelt werden. Insbesondere für Kinder und Jugendliche werden Angebote geschaffen, sich aktiv mit der Geschichte und Bedeutung ihrer Region und mit den Fragen der Ausstellung auseinanderzusetzen." 
 
Interessante Fragen wird die Ausstellung aufwerfen. 
 
Zum Beispiel:
 
„Wohin orientiere ich mich?
 
Warum und wie entstehen Mobilität und Bewegung?
 
Wie begegne ich dem anderen?
 
Was verbindet die Geschichte der alten Handelsroute via regia mit der heutigen gleichnamigen Kulturstraße des Europarates?
 
Was hat ein mittelalterlicher Geleitbrief mit einem modernen Pass zu tun?
 
Was verbindet ein Brakteatenbuch mit der Visa-Karte? 
 
Die Landesausstellung schlägt den Bogen in die Gegenwart, um Beweggründe für das „Unterwegssein" gestern und heute zu erkunden." 
 
Meine sehr verehrten Damen und Herren, 
 
die Via Regia war nicht nur eine Straße der Wirtschaft und der Politik, des Handels und Wandels. Nein. Auch Kunst und Kultur sind hier über die Jahrhunderte hinweg auf Rädern und Rücken und in den Köpfen befördert worden. Daher ist es kein Zufall, dass diese älteste und längste Straßenverbindung des Kontinents im Jahre 2005 als „Große Kulturstraße des Europarates" ausgezeichnet wurde. Das Projekt Via Regia Sculptura füllt auf seine Weise die „Große Kulturstraße" mit Leben. 
 
Dafür danke ich sehr herzlich Frau Ute Hartwig-Schulz und den Projektträgern. Das sind die sächsischen Künstlerhäuser und der Sächsische Künstlerbund. Und das sollte mit einem besonders starken Beifall bedacht werden! 
 
Abschließend darf ich Ihnen sagen, dass es mir persönlich und meinem Team auch Spaß gemacht hat, das Projekt Via Regia Sculptura hier in der Region in Wirtschaft und Politik bekannt zu machen und Sponsoren dafür zu begeistern. 
 
Vielen herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!