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17.10.2018, 08:30 Uhr
 
Zugang zu Literatur für blinde und sehbehinderte Menschen wird verbessert

Menschen mit einer Behinderung haben noch immer lediglich Zugang zu fünf Prozent aller verlegten Werke der Literatur und Kunst. Alle anderen Bücher und Werke stehen ihnen nicht in einem barrierefreien Format zur Verfügung. Am heutigen Donnerstag, dem 18. Oktober 2018 verabschiedet der Deutsche Bundestag ein Gesetz über den verbesserten Zugang urheberrechtlich geschützter Werke für Menschen mit Seh- oder Lesebehinderung und setzt damit den Vertrag von Marrakesch von 2013 um. Damit soll der barrierefreie Zugang zu Literatur und anderen Sprachwerken und damit die Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben für die mehr als 155.000 blinden und 500.000 sehbehinderten Menschen in Deutschland verbessert und Einschränkungen in ihrem Alltag minimiert werden. Die neuen Bestimmungen treten zum 1. November 2018 in Kraft. 


Bisher enthielt das deutsche Urheberrecht nur eine pauschale Regelung für Menschen mit Behinderung. Danach benötigte man für die Umwandlung urheberrechtlich geschützter Werke in ein barrierefreies Format (z.B. die Brailleschrift oder die Umwandlung in ein Hörbuch) entweder die Zustimmung  des Urhebers oder eine gesetzliche Erlaubnis und war zudem verpflichtet, den Urheber angemessen zu vergüten. 

Mit dem neuen Gesetz kommt nun eine spezielle Regelung für Menschen mit Seh- oder Lesebehinderung, die den Zugang zu urheberrechtlich geschützten Werken vereinfachen wird. Zentrale Verbesserungen betreffen den individuellen Gebrauch aber auch die Blindenbibliotheken. Privatpersonen können zukünftig ohne Erlaubnis des Urhebers barrierefreie Kopien von Werken zum eigenen Gebrauch herstellen oder herstellen lassen. Die von Blindenbibliotheken hergestellten barrierefreien Kopien können diese nun weltweit ihren Nutzern und befugten Stellen analog oder digital verleihen, verbreiten sowie für die öffentliche Zugänglichmachung oder die sonstige öffentliche Wiedergabe benutzen.

[17.10.2018]