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15.02.2019, 09:47 Uhr
 
Änderung des Transplantationsgesetzes: Mit besseren Strukturen in den Krankenhäusern für mehr Vertrauen und eine erhöhte Spendenbereitschaft sorgen

Am Donnerstag wurde die Änderung des Transplantationsgesetzes beschlossen, weil die Anzahl der Organspender mit 797 Spenden im Jahr 2017 historisch tief war. Die Ursachen sind vielschichtig. Immer wieder werden dabei strukturelle Defizite und mangelndes Vertrauen in die Entnahmekrankenhäuser angeführt. Mit dem neuen Gesetz soll die Bereitschaft, Organe zu spenden, durch gezielte strukturelle Verbesserungen in den Krankenhäusern erhöht werden.

Das wichtigsten Änderungen sind:

-        Ausbau der Position des Transplantationsbeauftragten

Das Gesetz wird die Rolle des Transplantationsbeauftragen bei der Organspende vor Ort in den Entnahmekrankenhäusern stärken. Es wird eine bundeseinheitliche Freistellungsregelung eingeführt, damit der Transplantationsbeauftragte von seinen sonstigen Aufgaben im Krankenhaus freigestellt werden kann. Diese Freistellung wird den Krankenhäusern zukünftig vollständig finanziell erstattet. Zudem sollen die Transplantationsexperten zukünftig Zugang zu den Intensivstationen und alle erforderlichen Informationen zur Auswertung des Spenderpotentials erhalten. Sie sollen außerdem hinzugezogen werden, wenn Patienten nach ärztlicher Beurteilung als Spender in Betracht kommen.

 -        Einrichtung eines Rufbereitschaftsdienstes

Der neu einzurichtende Rufbereitschaftsdienst soll sicherstellen, dass jederzeit flächendeckend qualifizierte Ärzte zur Verfügung stehen, die den Hirntod eines Patienten feststellen können. Diese Ärzte sollen das Entnahmekrankenhaus durch ihre Expertise unterstützen. Sie werden aber weder an der Entnahme noch an der Übertragung der Organe beteiligt sein.

-        Einrichtung eines Qualitätssicherungssystems

Darüber hinaus legt das Gesetz den Grundstein für ein Qualitätssicherungssystem in den Entnahmekrankenhäusern. Zukünftig sollen alle Todesfälle mit Hirnschädigung bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) erfasst werden. Die DSO wertet die Daten anonymisiert aus und übermittelt die Ergebnisse standortbezogen an das jeweilige Krankenhaus und die nach Landesrecht zuständige Stelle. Durch ein solches flächendeckendes Berichtssystem soll eine Rückschau und Bewertung ermöglicht werden, ob die Krankenhäuser alle Möglichkeiten zu Organspenden ausgeschöpft haben.

-        Verbesserungen der Angehörigenbetreuung

Im neuen Transplantationsgesetz wird eine klare rechtliche Grundlage für die Angehörigenbetreuung durch die DSO geschaffen. Demnach wird die DSO befugt, den Angehörigen im Anschluss an eine Organspende eine Betreuung anzubieten, indem sie bspw. Angehörigentreffen organisieren oder die Angehörigen über das Ergebnis der Organtransplantation informieren. Außerdem wird ein Verfahren für den Austausch anonymisierter Schreiben zwischen dem Organempfänger und den Angehörigen des Organspenders geregelt. Ein solcher Austausch, der für viele Betroffene von großer Bedeutung ist, setzt die Einwilligung aller Beteiligten voraus. Durch die Regelungen wird der Anonymitätsgrundsatz gewahrt; es wird ausgeschlossen, dass der Organempfänger Kenntnis über die Identität des Spenders oder von dessen Angehörigen erhält oder die Angehörigen des Organspenders Kenntnis über die Identität des Organempfängers erhalten.

Das neue Gesetz ist eine bewusste Entscheidung für die in Deutschland geltende Zustimmungslösung und gegen die immer wieder diskutierte Widerspruchslösung. Die Widerspruchslösung würde bedeuten, dass grundsätzlich jeder für eine Organspende in Betracht gezogen wird, es sei denn er hat der Organentnahme zu Lebzeiten aktiv widersprochen.

Egal wie Sie zur Organspende stehen, ein Organspendeausweis schafft Klarheit. Sie können dort einer Organspende zustimmen oder ihr auch widersprechen – und entlasten damit Ihre Angehörigen, die ansonsten im Fall Ihres Todes diese Entscheidung treffen müssen.

Informationen zum Thema finden Sie hier: 
https://www.organspende-info.de/organspendeausweis/informieren

Eine Bestellmöglichkeit gibt es hier: 
https://www.organspende-info.de/organspendeausweis/bestellen

(15.02.2019)