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09.05.2019, 14:29 Uhr
 
Mangelernährung durch strukturelle Ernährungsberatung und Ernährungsscreenings bekämpfen
Mangelernährung betrifft alle Bevölkerungsgruppen und ist ein weitaus dringlicheres Problem als es viele bisher auf der Agenda haben. Darum habe ich gestern an einer Expertenanhörung zu diesem Thema im Deutschen Bundestag teilgenommen, an der sich unter anderem Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie beteiligten. Mangelernährung kann die werdende Mutter und das ungeborene Baby gleichermaßen wie Berufstätige und Menschen bis ins hohe Alter betreffen. Darum brauchen wir eine wirksame Implementierung einer lebensbegleitenden Ernährungsberatung in allen Lebensphasen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat dafür evidenzbasierte Ernährungsempfehlungen für verschiedene Lebensphasen entwickelt, die bisher nur in zwei Bundesländern umgesetzt werden.
Als besonders vulnerable Gruppen sind verstärkt Menschen in der stationären und ambulanten Krankenversorgung sowie in der Pflege betroffen. Hier kann zunächst die Erkennbarkeit von Mangelernährung durch strukturelle Ernährungsscreenings bei der Erstaufnahme von Patienten in Krankenhäusern und Pflegeheimen verbessert werden. In einem zweiten Schritt müssen dann sektorübergreifend ernährungstherapeutische Maßnahmen ergriffen werden. Dafür kommen die Erarbeitung eines individuellen Ernährungsplans, eine intensive Betreuung sowie die Ermöglichung von Trink- und Zwischenmahlzeiten und besonders energiedichten Mahlzeiten in Betracht. Für die Umsetzung brauchen wir mehr Ernährungsteams in den Einrichtungen. Bisher gibt es solche Teams, die aus Ernährungsmedizinern, Diätassistenten, Ernährungswissenschaftlern und spezialisierten Pflegepersonal bestehen können, nur in drei bis vier Prozent aller deutschen Krankenhäuser. Dabei muss die Politik langfristig auch bereit sein, entsprechende Vergütungsstrukturen zu schaffen. Das bestehende Qualitätsmanagement als Bestandteil der Verpflegung in Pflegeheimen muss zudem verbessert werden. Die daraus erhobenen Daten führen in der Realität noch zu selten zu Konsequenzen und Verbesserungen in der Versorgung. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat sich das Problem der Mangelernährung zum Thema gesetzt und will vom Beginn der Schwangerschaft bis ins hohe Alter eine Bandbreite an Handlungsfeldern angehen. Nicht die Fokussierung auf bestimmte Gruppen, sondern ein breiter Ansatz wird dabei die Grundlage für ein erfolgreiches Anpacken dieses Problems bilden. [09.05.19]