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27.06.2019, 15:54 Uhr
 
Erste Beratung der Anträge zur Verbesserung der Zahl der Organspenden

Obwohl die Zahl von Menschen, die auf ein Spenderorgan angewiesen sind, gleichbleibend hoch ist, verzeichnet man in Deutschland weiterhin ein geringes Ausmaß an Organspenden. Diese Woche berät der Deutsche Bundestag darum in erster Lesung verschiedene Gesetzentwürfe, die unabhängig vom Weg alle das gleiche Ziel verfolgen: die Zahl der Spenderorgane soll gesteigert werden. In diesem ethisch schwierigen Thema müssen Lösungsvorschläge gut begründet und abgewogen werden, weswegen die Auseinandersetzung um die beste Lösung fraktionsoffen erfolgt. Insbesondere umstritten ist die Frage, wie ein Einvernehmen möglicher Spender erreicht werden kann. Eine Gruppe vertritt die Auffassung, dass einer Organspende ausdrücklich zugestimmt werden sollte (sog. Entscheidungslösung). Eine andere Gruppe wirbt dafür, dass einer Organspende im Vorfeld ausdrücklich widersprochen werden müsste (sog. Widerspruchslösung).

Für die Entscheidungslösung spricht zwar die uneingeschränkte Freiheit des Einzelnen, allerdings zeigen die Umfragen, dass wir in Deutschland trotz einer hohen abstrakten Spendenbereitschaft im Konkreten das Spenden-Schlusslicht in Europa bilden. Alle bisherigen Versuche, die Spenderzahlen durch mehr Aufklärung zu erhöhen, sind weitestgehend ins Leere gelaufen. Darum spreche ich mich, auch wenn es die weitergehende Lösung ist, für die Widerspruchslösung aus. Es stimmt, dass es kein Recht auf ein Spenderorgan gibt und auch nicht geben soll, dennoch müssen wir versuchen, die konkrete Spendenbereitschaft zu erhöhen und die Zahl der sterbenden Patienten, die vergeblich auf ein Spenderorgan warten, zu verkleinern. Dabei geht es nicht um eine Pflicht zur Spende, sondern nur um eine Pflicht zur Entscheidung, die wir mündigen Bürgern in Anbetracht der Hilfebedürftigkeit der Kranken abverlangen können sollten.

[27.06.2019]