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20.08.2019, 16:04 Uhr
 
30 Jahre Paneuropäisches Picknick – gemeinsames Festkonzert in Sopron mit ungarischen und deutschen Musikern

Das traditionelle Europa-Konzert im Felsen-Theater von Fertörakos war am Montagabend des 19. August der kulturelle Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag des Paneuropäischen Picknicks vom August 1989. Zum ersten Mal gestalteten ungarische und deutsche Musiker gemeinsam das Konzert in der beeindruckenden Kulisse: Mitglieder des Leipziger Symphonieorchesters und des Franz-Liszt Sinfonieorchesters Sopron.

Als Vertreterin der CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages dankte Katharina Landgraf in ihrem Grußwort zu Beginn des Konzertes auch der Sächsischen Staatsregierung und dem Auswärtigen Amt für die finanzielle Unterstützung dieses musikalischen Projektes.


Und sie führte weiter aus:
"Zum 30jährigem Jubiläum Ihres Paneuropäischen Picknicks sind schon zur heutigen Festveranstaltung bereits viele gute und wichtige Worte gesprochen worden. Heute Abend steht nun viel mehr große europäische Kultur im Mittelpunkt: Die Musik, die Völker verbindet. Und dazu möchte ich Ihnen allen ein besonderes Geschenk überreichen: Ein Orchester."


Das heutige Leipziger Symphonieorchester und die fast sechzigjährige Geschichte dieses Klangkörpers aus Mitteldeutschland seien sehr eng verbunden mit dem Thema "Deutsche Einheit".

"Ursprünglich war es seit den sechziger Jahren  ein staatliches Orchester inmitten der Braunkohle-, Energie- und Chemieregion bei Leipzig. Die Musikerinnen und Musiker sorgten damals mit  ihren unzähligen Konzerten für eine kulturelle Umrahmung des ansonsten tristen Alltages im Kohle-Revier. Nach dem Zusammenbruch der DDR und mit den gesellschaftlichen und staatlichen Umwälzungen schien es für das Orchester keine Zukunft mehr zu geben. Die Orchestermitglieder waren anfangs im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen weiter beschäftigt worden. Diese ABM liefen jedoch nach zwei Jahren aus. Das Orchester sollte geschlossen werden. Das geschah vor 27 Jahren. Politiker der Union schlugen damals Alarm und wollten verhindern, dass nach dem Zusammenbruch vieler Betriebe auch noch das "letzte Stückchen Kultur" verloren gehen würde. 


Der Protest blieb in Bonn nicht ungehört. Mitglieder des Orchesters waren mit dem damaligen sächsischen CDU-Bundestagsabgeordneten Rolf Rau nach Bonn  an den Rhein gereist und hatten dort am Rande des Bundestages musiziert.

Sie haben auch auf diese Weise die Bundespolitiker begeistert. Dank neuer sozialpolitischer Gesetze der von Kanzler Helmut Kohl geführten Bundesregierung ist es dann gelungen, kulturelle Einrichtungen, und so auch unser Orchester in den neuen Bundesländern vor dem "Aus" zu retten. Noch heute möchte ich dafür dem damaligen Staatssekretär aus dem Bundesarbeitsministerium Dr. Bernhard Worms für sein unermüdliches Engagement für "unser Orchester" und für die Menschen in der ehemaligen DDR herzlich danken.

Als späterer Pensionär hat sich Worms über viele Jahre hinweg ebenso leidenschaftlich für die europäische Integration eingesetzt -  als Vorsitzender der Europäischen Seniorenunion.

Der weitere Weg des Orchesters durch die nun fast drei Jahrzehnte währende deutsche Einheit blieb mühevoll. Mit viel Einfallsreichtum und hilfreichen Partnern in Politik und Staat wurde der Fortbestand des heutigen Leipziger Symphonieorchesters ermöglicht. Darauf sind wir gemeinsam mit den Musikerinnen und Musikern stolz und dankbar.


Jetzt wissen Sie etwas mehr über das besondere Jubiläums-Präsent aus Sachsen und aus Deutschland. Wir sind dankbar, dass wir mit Ihnen das Paneuropäische Picknick heute feiern dürfen. Sie wollten damals im August 1989 eine Vision vom geeinten Europa wagen und zeichnen. Dass dabei zugleich für viele Menschen aus der DDR nicht nur symbolisch der Eiserne Vorhang zwischen Ost und West aufgegangen ist und die berühmte erste Massenflucht in den Westen möglich wurde, ist ein historischer und großartiger Nebeneffekt dieses legendären Picknicks.

Das Tor zur Freiheit konnte im Sommer und im Herbst vor dreißig Jahren gemeinsam weit aufgestoßen werden, friedlich und ohne militärische Gewalt.

Ich darf heute an die Worte des späteren letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maiziere erinnern, der sagte: Der Fall der Berliner Mauer begann hier in Sopron. In diesem Geiste möchten wir in diesem herrlichen und beeindruckenden Raum nun ein besonderes Konzert genießen und die europäische Vision und das geeinte Europa würdigen."

[19.08.2019]