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26.03.2021, 15:51 Uhr
 
Impfen und Testen in Deutschland

Vor dem Hintergrund, dass es nach wie vor in Europa noch nicht genügend Impfstoff zur verfügung steht, gibt es eine intensive gesellschaftliche Debatte zur Umsetzung der Impf- und Teststrategie in Deutschland. Wie ist der aktuelle Stand?

Informationen des BMG, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn:

In unserem Land wurden bisher knapp 11 Millionen Impfungen durchgeführt. Seit Impfstart am 27.Dezember 2020 wurden bis zum 22. März 2021 insgesamt 7 517 073 Personen (9,0 Prozent der Bevölkerung) einmal und 3 345 215 Personen (4,0 Prozent der Bevölkerung) zweimal gegen COVID-19 geimpft. (Stand 22.03.2021).

Die Geschwindigkeit der Impfkampagne wurde gerade in den letzten Wochen erheblich gesteigert: waren bis zum 15. Januar 2021 eine Million Impfdosen verabreicht worden, wurden innerhalb eines guten Monats bis zum 20. Februar 2021 eine Steigerung auf fünf Millionen Impfdosen erreicht.  Knapp einen Monat später am 18. März 2021 wurde wiederum die Schwelle von 10 Millionen Impfungen überschritten. Über die Entwicklung der Impfzahlen kann man sich tagesaktuell über www.impfdashboard.de informieren. Bis Ostern werden voraussichtlich 19,9 Millionen Impfdosen aus den EU-Bestellungen nach Deutschland ausgeliefert worden sein.

Bund und Ländern war bewusst, dass Impfstoffe zu Beginn der Impfkampagne nur in begrenzten Mengen zur Verfügung stehen würden. Dieses gemeinsame Verständnis spiegelt sich in der zwischen Bund und Ländern am 6. November 2020 vorgestellten Nationalen Impfstrategie sowie in dem Beschluss des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) zum gemeinsamen Vorgehen bei Impfungen gegen COVID-19 wider.

Um die vulnerabelsten Menschen in unserer Gesellschaft prioritär zu schützen, wurden zu Beginn der Impfkampagne sämtliche Pflegeeinrichtungen durch mobile Impfteams aufgesucht, um den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie dem Pflegepersonal ein Impfangebot zu machen. Von den Bewohnerinnen und Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen haben 91 Prozent eine Erst-Impfung und 70 Prozent bereits die zweite Impfung erhalten. Die deutliche Senkung der Infektionsausbrüche in Pflegeeinrichtungen und bei der besonders gefährdeten Risikogruppe der über 80-Jährigen macht deutlich, dass diese Strategie der Impfung der Risikogruppe wirksam war:

Inzidenz gesunken: Während die 7-Tage-Inzidenz am 2. Januar 2021 bei über 80-Jährigen bei 290 Fällen/100 000 Einwohner lag, ist der aktuelle Wert am 17. März 2021 auf 55 Fälle/100 000 Einwohner gefallen.

Hospitalisierungsquote gesunken: Während Ende Dezember 2020 (51. KW) etwa 5000 über 80-Jährige mit COVID-19 im Krankenhaus behandelt wurden, waren es Anfang März 2021 (10.KW) nur noch etwa 1000.

Zahl der Todesfälle gesunken: Während Ende Dezember 2020 (52. KW) 4152 Todesfälle in der Altersgruppe der über 80-Jährigen gemeldet wurden, liegt dieser Wert Mitte Februar (7. KW) bei weniger, wenn auch immer noch zu hohen, 1196 Todesfällen.

Zahl der Ausbrüche in Pflegeheimen gesunken: Während es Ende Dezember 2020 (51. KW) noch 376 Ausbrüche in Pflegeheimen gab, werden aktuell pro Woche weniger als 20 Ausbrüche gemeldet.

Zudem wurden bislang bundesweit in der Gruppe mit „beruflicher Indikation“ – also beispielsweise Pflegepersonal – 3 131 290 Personen einfach und 1 257 413 Personen zweifach geimpft (Stand 17. März 2021)

Impfstoffe

Trotz einer in der Menschheitsgeschichte beispiellosen Geschwindigkeit bei der Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen war es aufgrund regulatorischer und technischer Voraussetzungen gar nicht zu vermeiden, dass sich die Produktionskapazitäten erst schrittweise aufbauen können. Vor diesem Hintergrund hat das BMG vorausschauend Maßnahmen ergriffen, um die Verfügbarkeit eines zulässigen Impfstoffs in Deutschland bestmöglich zu beschleunigen, insbesondere durch die Unterstützung bei der Entwicklung von Produktionsstandorten wie etwa dem BionTech-Werk in Marburg ab Sommer 2020. Anfang April 2021 wird dieses Werk nun „ans Netz“ gehen können. In diesem Zusammenhang ist hervorzuheben, dass die Lieferprognosen von insgesamt 20 Millionen Impfdosen, mit denen das BMG bis zum Ende des ersten Quartals gerechnet hatte, nach jetzigem Stand von allen Herstellern erfüllt werden. Die Firme BionTech wird ihre zu Beginn des Jahres abgegebene Lieferprognose sogar um mehr als eine Million Dosen übertreffen. Ein Teil dieser zusätzlichen Dosen wird zeitnah den Bundesländern zur Verfügung gestellt, die an die Tschechische Republik oder das französische Département Moselle grenzen, um in den entsprechenden Grenzregionen verstärkt zu impfen.

In den kommenden Wochen werden planmäßig die Liefermengen aller Hersteller weiter steigen. Nach den Voraussagen der Hersteller können wir im zweiten Quartal die Lieferungen von mindestens 65 Millionen Impfdosen erwarten – also mehr als dreimal soviel wie im ersten Quartal.

Darüber hinaus engagiert sich das BMG aktiv in verschiedenen internationalen Foren. Im Zentrum des internationalen Engagements steht der von der WHO im April 2020 lancierte „Access to COVID-19 Tools Accelator“ (ACT-A), den die Bundesregierung mit mehr als zwei Milliarden Euro unterstützt. So setzt die Bundesregierung ein wichtiges Zeichen der internationalen Solidarität.

Testen

Seit dem 8. März 2021 finanziert der Bund den Bürgertest: Jede und Jeder soll sich mindestens einmal pro Woche kostenlos testen lassen können und darüber einen Nachweis erhalten. Innerhalb kurzer Zeit ist auf dieser Basis ein nahezu flächendeckendes Testangebot der Länder und Kommunen entstanden. Genau diese so entstandene Test-Infrastruktur ist die Voraussetzung für die sinnvollen Ansätze, in Regionen und Städten mit niedriger Inzidenz Öffnungsschritte mit verpflichtendem Negativ-Test-Nachweis zu verknüpfen und so abzusichern.

Die Taskforce Testlogistik hat die Anbieter von Schnell- und Selbsttests mit den Ansprechpartnern der Bundesländer zusammengebracht und den Austausch von Lösungsansätzen zum Aufbau landesspezifischer Logistikketten für die dezentrale Belieferung mit Tests (z.B. für Kitas und Schulen) ermöglicht. Alle Bundesländer konnten sich für März und April 2021 mit ausreichend Schnell- und Selbsttests versorgen. In der letzten Sitzung der Taskforce am 19. März 2021 haben Bund und Länder festgestellt, dass die Taskforce ihre Aufgabe erfüllt hat. Sie wird auf Wunsch eines Mitglieds erneut zusammentreten.

Selbsttests: Um den Start der Selbsttests zu beschleunigen, hat die Taskforce den Ländern Abrufkontingente mit einem Volumen von mehr als 130 Millionen Testa für März und April 2021 vermittelt (Roche; 70,5 Millionen, Siemens: 62 Millionen). Darüber hinaus hat die Taskforce mit mehreren Anbietern Vereinbarungen (sogenannte Memorandum of Understanding) abgeschlossen. Diese MoUs gestatten den Ländern die Bestellung zu einheitlichen Angebotskonditionen und helfen den Anbietern bei der Planung.

Schnelltests: Im Gegensatz zu den Selbsttests waren bereits bei der Gründung der Taskforce genügend Schnelltests auf dem Markt verfügbar. Schon im vergangenen Jahr hatte das BMG mit Anbietern von Schnelltests ein Kontingent von 550 Millionen Schnelltests für das Jahr 2021 gesichert. Nach Auskunft der Anbieter waren 150 Millionen Schnelltests im März 2021 direkt bestellbar. Darüber hinaus ermöglichte die Taskforce den Ländern, über ein Joint Procurement der EU-Kommission weitere 240 Millionen Schnelltests zu bestellen.

Ausblick

Auf Basis des Beschlusses der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder vom 19. März 2021 werden die Voraussetzungen für eine systematische flächendeckende Einbindung der niedergelassenen Ärzteschaft beim Impfen im April 2021 geschaffen. Die entsprechend zu überarbeitende Coronavirus-Impfverordnung ist bereits in der Abstimmung mit allen Beteiligten.

Bereits jetzt können durch die Länder beauftragte Arztpraxen und beauftragte Betriebsärzte als „Außenstellen“ der Impfzentren in die Impfkampagne einbezogen werden. Perspektivisch sollen auch die arbeitsmedizinischen Dienste und Betriebsärztinnen und Betriebsärzte noch stärker in das Impfgeschehen einbezogen werden.

Durch diesen Übergang in die nächste Phase der Impfkampagne und die zunehmenden Liefermengen von Impfstoffen können Bund und Länder weiterhin an dem Ziel festhalten, allen Bürgerinnen und Bürgern bis zum Ende des Sommers 2021 ein Impfangebot zu machen.

„Die Überwindung der Pandemie bleibt eine große Herausforderung. Aber unser gemeinsames Ziel ist klar: mit  Testen, Einhaltung von Schutzmaßnahmen und insbesondere Impfen können wir die Pandemie Schritt für Schritt überwinden.“, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

[25.3.2021, Informationen des BMG, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn]